Niederländisch | Nederlands

Bezeichnung nach ISO-639-3: NLD

Niederländisch gehört zu den indogermanischen Sprachen. Es bildet zusammen mit Afrikaans, Deutsch, Luxemburgisch, Plattdeutsch, Friesisch, Englisch, Jenisch und Jiddisch den westlichen Zweig der germanischen Sprachen. Niederländisch ist die von knapp 25 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochene Hauptsprache in den Niederlanden, dem flämischen Teil Belgiens und Suriname. Die Benennung «Holländisch» für das Niederländische ist falsch, da sie einen westniederländischen Dialekt bezeichnet.

Zum einen ist Niederländisch eine insbesondere aus den Dialekten der historischen Provinzen Holland und Brabant hervorgegangene Standardsprache. Sie bildete sich parallel zur Erringung der politischen Unabhängigkeit durch die heutigen, vorwiegend reformierten Niederlande («Generalstaaten») im Achtzigjährigen Krieg (1581-1648) von Spanien und somit vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation als eigene, vom Deutschen abgegrenzte Sprache heraus. Ungeachtet ihrer Verselbständigung und Standardisierung wurde diese Sprache jedoch noch bis ins 19. Jahrundert neben «Nederlands» (Niederländisch) auch als «Nederduits» (Niederdeutsch), «Duits» oder «Diets» (Deutsch; vgl. «Dutch» im Englischen) bezeichnet. Ihre Einheitlichkeit wird in den Niederlanden und Belgien durch die von den beiden Ländern 1980 begründete sogenannte Niederländische Sprachunion gepflegt, der 2005 auch Surinam beitrat, so dass es keine niederländische, belgische oder surinamische Varietät des Niederländischen gibt. Niederländisch wird gesprochen in:

  • Den Niederlanden, wo es nationale Amtssprache und Muttersprache von etwa 16 Millionen Niederländern ist. Nicht mitgezählt sind hier die etwa 350.000 friesischsprachige Muttersprachler in der nordniederlänmdischen Provinz Friesland sowie die ca. 300.000 zählende kreolisch- bzw. englischsprachige Mehrheit der karibischen Überseegebiete.
  • Belgien, wo es eine der beiden nationale Amtssprache und Muttersprache von etwas mehr als 6 Millionen Flamen vor allem in der nördlichen Landeshälfte und dem gemischtsprachigen Brüssel ist.
  • Suriname, wo es nationale Amtsprache und Muttersprache etwa der Hälfte der 0,5 Millionen Einwohner ist.

Niederländisch wurde bis ins 19. Jahrhundert in einzelnen Gebieten des heutigen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens, v.a. dem historischen Fürstentum Ostfriesland sowie den Grafschaften Kleve und Geldern, gesprochen und als Standardsprache unterrichtet.

Zum andern ist Niederländisch Dachsprache für eine Reihe von Dialekten (Mundarten) mit lokaler Verbreitung, die auch außerhalb des Geltungsbereichs der niederländischen Standardsprache, nämlich in Französisch-Flandern, gesprochen werden. Je nach Region und Sprecher können Dialekte und Standardsprache in unterschiedlichen Abstufungen nebeneinander verwendet werden, zum Beispiel im privaten und öffentlichen Bereich. Aufgrund ihrer organischen Zusammengehörigkeit mit dem deutschen Dialektkontinuum wurden die niederländischen Dialekte insbesondere aufgrund der fehlenden zweiten Lautverschiebung in der älteren deutschsprachigen Literatur zu den niederdeutschen Dialekten gerechnet und vielfach als «niederdeutsches Sprachgebiet in den Niederlanden und Belgien» bezeichnet. Im Kontinuum mit den deutschen Dialekten sind sie denn auch als niederfränkische Dialekte zu betrachten. Hierzu ist zu bemerken, dass die moderne Staatsgrenze zwischen Deutschland und den Niederlanden historisch keine bedeutende Dialektgrenze darstellte, so dass es im ostniederländisch-westniederdeutschen Raum ein Dialektkontinuum gab, das die deutschen und niederländischen Dialekte umfasste. Dieses löst sich in den letzten Jahrzehnten jedoch immer stärker auf, da die Dialekte dies- und jenseits der Grenze immer stärker von der jeweiligen Standardsprache beeinflusst werden.

Aus dem Niederländischen hervorgegangen ist Afrikaans, das eine eigene Standardsprache darstellt.